PRAXISZEITUNG HARNINKONTINENZ

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Harninkontinenz – was ist das?

Harninkontinenz ist ein anderes Wort für unfreiwilligen Harnabgang oder die Schwierigkeiten, den Harn zu halten. Inkontinenz kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten kommt sie aber bei älteren Menschen vor. Zwei Drittel aller Personen über 65 Jahre haben ein Inkontinenzproblem.

Es gibt viele Gründe dafür, dass man den Harn nicht halten kann. Manchmal liegt die Ursache im hormonellen Bereich, es können anatomische Veränderungen (Senkung der Blase) vorliegen, oder es bestehen neurologische Probleme. Deshalb sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Inkontinenz hat viele Erscheinungsbilder. Bei vielen Frauen geht beim Husten oder Niesen Harn ab. Bei einer anderen Form der Inkontinenz (die bei Männern und Frauen vorkommt) entsteht ein so plötzlicher Harndrang, dass diese Personen nicht mehr rechtzeitig die Toilette erreichen. Die Angst, dass sie nicht mehr zur Toilette kommen, bewirkt, dass viele Leute mit Inkontinenzproblemen lieber zu Hause bleiben und sich isolieren, anstatt ein normales Leben zu führen. Die Situation wird auch noch dadurch erschwert, dass es zu wenig öffentliche Toiletten gibt. Es kann sehr schwer sein, in der Stadt eine Toilette zu finden, wenn man sie plötzlich braucht.

Die Leute, die auch nachts die Blase entleeren müssen, können nie durchgehend schlafen und sind natürlich tagsüber müde. Außerdem werden womöglich andere Familienmitglieder durch die nächtlichen Toilettengänge gestört.

Ein anderes Problem ist, die Kleidung trocken und sauber, und geruchsfrei zu halten. Die Angst, dass sie nach Urin riechen könnten, hindert viele inkontinente Menschen daran, sich mit anderen zu treffen. Sie verlieren den Kontakt zu ihren Freunden und Bekannten und vereinsamen allmählich.

Das muss nicht sein!

Harninkontinenz kann durch ärztliche Behandlung gebessert oder geheilt werden.

Scheuen Sie sich deshalb nicht, uns ggf. auf Ihr Problem anzusprechen.

Training der Beckenbodenmuskulatur zur Verhinderung oder Behandlung einer Harninkontinenz

Bevor eine medikamentöse oder gar operative Therapie in Erwägung gezogen wird, sollte vor allem bei der sogenannten Belastungsinkontinenz versucht werden durch intensive Beckenbodengymnastik die Symptomatik positiv zu beeinflussen. Manche Frauen haben durch Schwangerschaft und Geburt das Gefühl für eine willkürliche Anspannung ihrer Beckenbodenmuskulatur verloren. Für diese Patientinnen ist es deshalb besonders wichtig, zunächst die Gewalt über diese Muskeln wieder zu erlangen. Dazu dient die erste Übung:

A: Jedes mal beim Wasserlassen unterbrechen Sie den Urinstrahl 3-4 mal, indem Sie den Schließmuskel für 5-10 Sekunden zusammenziehen. Dabei muss man besonders an das Zusammenkneifen der Beckenbodenmuskulatur denken.

Wenn Sie diese Übung beherrschen, sollten Sie auch die folgenden Trainingseinheiten erlernen und anwenden:

B: Legen Sie sich auf den Rücken, schlagen Sie die Beine mit gestreckten Knien übereinander.

  1. Heben Sie die Hüften etwas an.
  2. Kneifen Sie die Gesäßmuskulatur zusammen und pressen Sie die Oberschenkel kräftig gegeneinander.
  3. Spannen Sie die Muskeln im Beckenboden für 5-10 Sekunden kräftig an, so als wollten Sie einen Urinabgang oder Stuhlgang zurückhalten.
  4. Entspannen Sie sich und wiederholen den Vorgang 10-15 mal.

C: Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl mit den Füßen auf dem Boden und den Fersen gegeneinander.

  1. Legen Sie die Hände auf die Innenseiten der Knie.
  2. Versuchen Sie, für 5-10 Sekunden Ihre Knie mit den Händen auseinander zu drücken, während Sie mit den Knien dagegen halten.
  3. Entspannen Sie sich und wiederholen den Vorgang 10-15 mal.

D: Diese Übung kann man im Sitzen, Stehen oder Knien machen, die Beine werden hierbei nicht gekreuzt.

  1. Drehen Sie die Füße nach außen, so dass die Fersen sich berühren.
  2. Spannen Sie die Muskeln von Gesäß, Oberschenkeln und Beckenboden wie unter A an und halten Sie sie für 5-10 Sekunden gespannt.
  3. Entspannen Sie sich und wiederholen den Vorgang 10-15 mal.

Damit die Beckenbodenmuskulatur so gut wie möglich trainiert wird, ist es ratsam, diese Übungen mehrmals täglich zu wiederholen. Einige können auch bei der Arbeit im Sitzen oder Stehen verrichtet werden, z.B. beim Geschirrspülen, beim Essenkochen oder im Auto beim Warten vor der roten Ampel.

Haben Sie Fragen zu diesem oder anderen Themen, können Sie gerne mein Praxisteam und mich darauf ansprechen.

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