PRAXISZEITUNG HAUT, HAARE UND HORMONE

Seite drucken

Haut, Haare und Hormone

Wie man mit wenig Aufwand große Wirkung erzielt!

Das äußere Erscheinungsbild eines Menschen trägt sehr zu seinem Selbstbewusstsein und Wohlbefinden bei. Deshalb leiden insbesondere Frauen sehr darunter, wenn sie von den weit verbreiteten Hauterkrankungen wie Akne oder Haarausfall betroffen sind. Störungen im Hautbild und des Haarwuchses sind nicht selten hormonell bedingt.

Der Organismus der Frau stellt weibliche Geschlechtshormone (Östrogene, Gestagene) und geringe Mengen männlicher Geschlechtshormone (z.B. Testosteron) her. Die Geschlechtshormone übernehmen im Körper viele unterschiedliche Aufgaben. Sie regulieren z.B. den weiblichen Zyklus, die Talgproduktion der Haut und den Haarwuchs.
Geraten die Hormone aus dem natürlichen Gleichgewicht kann es zu unregelmäßigen monatlichen Blutungen kommen. Produziert der Körper mehr männliche Geschlechtshormone oder reagiert er „überempfindlich“ auf normale Hormonmengen, hat dies negative Auswirkungen auf Haut und Haare.

Hier können bestimmte Hormonkombinationen regulierend eingreifen, indem sie die Menge und Wirkung der männlichen Geschlechtshormone verringern. Als angenehmer Nebeneffekt wird die Empfängnis verhindert (Antibaby-Pille).

Weiblicher Zyklus und Hormone

Eine Aufgabe der Hormone ist die Steuerung des weiblichen Zyklus. Dieser beginnt immer mit der Periode. Schon am ersten Blutungstag beginnt in den Eierstöcken ein neues Ei heranzureifen. Gleichzeitig kommt es zur vermehrten Bildung des Hormons Östrogen, wodurch die Schleimhaut der Gebärmutter dicker wird.

Nach 14 bis 18 Tagen hat das Ei die maximale Größe erreicht, es kommt zum Eisprung.
Dabei platzt die Hülle (Follikel), die das Ei umgibt. Das reife „gesprungene“ Ei wandert vom Eierstock in den Eileiter. Dort kann es befruchtet werden. Die leere Eihülle wandelt sich in den Gelbkörper um, der Gestagen herstellt. In dieser Zeit können Spermien leichter zum Ei gelangen, da der Schleim im Gebärmutterhals flüssiger ist.

Wurde das Ei bis 4 Tage nach dem Eisprung nicht befruchtet, löst es sich auf. Der Gelbkörper stirbt ab, die Hormonproduktion verringert sich. Die Gebärmutterschleimhaut wird abgebaut und löst sich 14 Tage nach dem Eisprung endgültig auf. Die Periode setzt ein.

Führt man dem Körper Hormone von außen durch die Einnahme der Antibaby-Pille zu, greifen diese in den Hormonhaushalt ein und verhindern die Befruchtung. Die Antibaby-Pille bietet eien sehr hohe Sicherheit bei der Empfängnisverhütung. Der sogenannte Pearl-Index liegt zwischen 0,2 und 0,5 . Des bedeutet: Wenn 100 Frauen 1 Jahr die Pille nehmen, werden 0,2 – 0,5 Frauen schwanger.

Die Pille wirkt auf 3-fache Weise:

  • Sie verhindert, dass in der ersten Zyklushälfte ein befruchtbares Ei heranwächst und es in den Eierstöcken zum Eisprung kommt. Eine Befruchtung ist somit ausgeschlossen.
  • Die Gebärmutterschleimhaut verändert sich derart, dass sich eine befruchtete Eizelle nicht einnisten kann.
  • Der Schleimpfropf im Gebärmutterhals bleibt undurchlässig, so dass Spermien nicht eindringen können.

Akne und Hormone

Sehr viele Jugendliche in den Industrienationen leiden mehr oder weniger stark an Akne. Bei Frauen kann sie bis zum Beginn der Wechseljahre fortbestehen.

Akne ist eine hormonbedingte entzündliche Erkrankung der Talgdrüsen. Sie tritt auf, wenn das hormonelle Gleichgewicht gestört ist und die männlichen Geschlechtshormone überwiegen ( z.B. in der Pubertät). Eine weitere Ursache ist eine bestehende Überempfind- lichkeit der Talgdrüsen gegenüber dem männlichen Geschlechthormon Testosteron. Die Testosteronmengen liegen im Normbereich.

Testosteron regt die Talgdrüsen zur vermehrten Talg-Produktion an, wodurch die Haut fettig wird. Es fördert auch das Wachstum der Hornzellen an den Ausführungsgängen der Talgdrü-
sen, wodurch diese enger werden und der Talg nicht mehr an die Hautoberfläche gelangen kann. Es entsteht ein Pfropf mit eingelagertem Hautfarbstoff (Melanin). Man spricht von Komedon oder Mitesser. Bakterien der Haut zersetzen den Talg und vermehren sich dadurch stark. Die Abbauprodukte des Talgs reizen die Talgdrüsen, wodurch es zu einer Entzündung kommt. Es entstehen eitergefüllte Bläschen (Pickel).

Bei leichter Akne ist oft eine lokale Behandlung (z.B. mit Creme, Gel) ausreichend. Es gibt Substanzen, die den Hornpfropf in den Talgdrüsenausführungsgängen lockern und die Neubildung von Mitessern und Pickeln verhindern. Einige Produkte wirken gegen Bakterien oder sind entzündungshemmend. Bei starken Akneformen ist die Einnahme von Medikamenten z.B. Antibiotika, Isotretinoin) nötig.

Die Talgproduktion kann durch die Einnahme von bestimmten Hormonkombinationen reguliert werden. Geeignet sind Pillen, die ein Östrogen und ein Gestagen enthalten. Diese Gestagene müssen eine antiandrogene Wirkung haben, das heißt, sie müssen als „Gegen-
spieler“ des Testosterons wirken. Sie senken die Neubildung von Testosteron und verringern gleichzeitig seine Wirkung, indem sie das Testosteron von seinem Wirkort (Rezeptor) an der Talgdrüse verdrängen. Östrogene fördern die Bindung des Testosterons an bestimmte Eiweißbausteine im Blut. Testosteron kann dadurch nicht mehr an die Rezeptoren der Talgdrüsen gelangen und seine Wirkung entfalten.

Haarausfall und Hormone

Jede zweit Frau leidet einmal im Leben an Haarausfall. Die häufigste Erscheinung ist der hormonell bedingte Haarausfall (= androgenetische Alopezie).

Bei den meisten Patientinnen reagiert das Haar überempfindlich auf das Hormon Testosteron, wobei die Testosteron-Menge im Körper nicht erhöht ist. In seltenen Fällen kann ein hormonelles Ungleichgewicht vorliegen, das durch eine erhöhte Testosteronproduktion gekennzeichnet ist.

Testosteron wirkt wachstumshemmend und verkürzt so die Wachstumsphase der Haare. Als Folge fallen die Haare schneller aus. Darüber hinaus schrumpfen die Haarwurzeln, so dass anstelle kräftiger „Terminalhaare“ feine Flaumhaare (Lanugohaare) entstehen.

Antibaby-Pillen mit einem Gestagen und einem Östrogen senken die Testosteronmenge imKörper und seine Wirkung am Haar. Die speziellen Gestagene verdrängen Testosteron an der Haarwurzel und stoppen so dessen „negative“ Wirkung. Das Hormon Östrogen führt zur Bindung von Testosteron im Blut. Dadurch kann es nicht mehr am Haar angreifen.

Hirsutismus und Hormone

Hirsutismus ist ein hormonell bedingter übermäßiger Haarwuchs an bestimmten Körperstellen (z.B. Oberlippe, Kinn, Mittellinie des Bauches, Innenseiten der Oberschenkel). Beim Großteil der Patientinnen ist der Hormonhaushalt im Gleichgewicht. Ihre Körperhaare reagieren jedoch „empfindlich“ auf normale Mengen des Männlichen Geschlechtshormons Testosteron. Die Testosteron-„Überempfindlichkeit“ führt zur Umwandlung von feinen „unsichtbaren“ Vellus-
haaren in kräftige sichtbare Terminalhaare.

Zur Therapie des Hirsutismus können Hormonkombinationen mit Östrogenen und antiandro-
gen wirkenden Gestagenen eingesetzt werden. Das Gestagen verringert die Bildung und Wirkung des Testosterons, die Östrogene binden es im Blut und machen es dadurch unwirksam.

Fazit

Hormon-Pillen zur Empfängnisverhütung oder zur Behandlung von Wechseljahresbeschwer-
den gehören zu den Arzneimitteln, die seit mehreren Jahrzehnten auf dem Markt sind. Millionen von Frauen haben bereits ihre positiven Erfahrungen mit dieser Art von Hormonpräparaten gemacht.
Die empfängnisverhütende Wirkung bei Antibaby-Pillen ist sehr sicher und setzt sehr schnell ein. In der Regel wird ab dem ersten Einnahmetag eine Schwangerschaft verhindert.
Werden diese Präparate zur Behandlung von Erkrankungen wie Akne, Haarausfall oder Hirsutismus eingesetzt, ist etwas Geduld erforderlich. Die vollständige Hormonwirkung und damit Besserung der Symptome tritt im allgemeinen nach 3 bis 6 Monaten ein.

Haben Sie Fragen zu diesem oder anderen Themen, können Sie gerne mein Praxisteam und mich darauf ansprechen.

Zurück nach oben