PRAXISZEITUNG BAKTERIELLE SCHEIDENENTZÜNDUNG

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Bakterielle Scheidenentzündung - nicht nur Pilze jucken uns

Einer der häufigsten Gründe für den Besuch beim Frauenarzt ist die bakterielle Scheidenentzündung. Über 5,0 Millionen Frauen kennen das: Es juckt im Intimbereich, es brennt und schmerzt, unangenehm riechender Ausfluss stört das Wohlbefinden. Manchmal kommen sogar Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen dazu. Jede zweite Frau hatte bereits bis zu ihrem 25. Lebensjahr mindestens einmal eine vom Arzt diagnostizierte Entzündung in der Scheide.

Und bei vielen treten die Beschwerden immer wieder auf, sie werden chronisch. Der Arzt spricht dann von einer rezidivierenden (wiederkehrenden) Scheiden-Infektion. In seltenen Fällen kann die Entzündung zur Gebärmutter oder zu den Eierstöcken aufsteigen.

Die Infektion frühzeitig behandeln.

Oft treten die beschriebenen Symptome nach dem Besuch im Schwimmbad oder in der Sauna, nach einer Antibiotikatherapie, nach dem Geschlechtsverkehr mit einem neuen Partner oder nach der Periodenblutung auf.

Ursache ist fast immer ein lokaler Immundefekt der Scheidenhaut. Denn nur wenn die natürliche Abwehrfunktion der Scheidenhaut beeinträchtigt ist, haben Hefepilze und vor allem Bakterien ein leichtes Spiel: Sie sind die häufigsten Auslöser von Scheiden-Infektionen.

Bei einer akuten Scheidenentzündung helfen daher meist Antibiotika oder Anti-Pilzpräparate. Gerade bei wiederkehrenden Infektionen kann aber auch die Behandlung mit einer Immunisierung gegen die häufigsten Auslöser sinnvoll sein und das geschwächte Immunsystem stimulieren.

Was macht einige Frauen besonders anfällig?

„Warum immer ich?“, fragen sich viele Frauen, die unter wiederkehrenden Scheideninfek- tionen leiden.

In der gesunden Scheide sorgen normalerweise Millionen von Milchsäurebakterien für ein saueres Milieu, in welchem es andere Bakterien (u.a. Streptokokken und Staphylokokken) und Pilze schwer haben, sich zu vermehren.

Erst wenn diese sogenannte Döderlein-Flora gestört ist, kann dadurch die Abwehrfunktion der Schleimhaut beeinträchtigt sein. Dies passiert zum Beispiel häufig durch Behandlung mit Antibiotika, die eigentlich eine ganz andere Körperstelle treffen soll, aber die Milchsäure-Bakterien nebenbei mit abtötet. Dann geht das saure Schutz-Milieu verloren, und Krankheitserreger können leichter eindringen. Folge: Eine Scheidenentzündung kann entstehen. Das geschieht übrigens manchmal auch im Zusammenhang mit der Peroidenblutung oder dem Geschlechtsverkehr.

Akutbehandlung – manchmal nicht ausreichend.

Akute Scheidenentzündungen werden – je nach Erreger – mit Kurzzeitgaben von Antibiotika oder Antipilz-Präparaten behandelt oft als Zäpfchen oder Cremes. Je nach Übertragbarkeit muss auch der Partner mitbehandelt werden! Die Beschwerden klingen fast immer sofort ab. Problem: Die Präparate wirken nur kurzfristig, manchmal sind schon nach kurzer Zeit die alten Beschwerden wieder da. Gerade wenn die Behandlung vorzeitig abgebrochen wird. Und in schweren Fällen ist es notwendig, die Therapie auch länger fortzuführen.

Doch die Ursache der Scheidenentzündug bleibt dennoch oft dauerhaft bestehen – eine Abwehrschwäche der Scheidenhaut.

Hier kann deshalb ein Medikament zur Steigerung der Abwehrkräfte im Scheidenmilieu dauerhaft helfen.

Problemfall Rezidive. Impfung beugt vor.

Bei fehlendem Ansprechen oder sehr häufigem Wiederauftreten (Rezidiv) der Scheiden- entzündung wird eine weitere Abklärung der Ursachen vorgenommen. Ein Plus zur herkömmlichen Behandlung ist seit einiger Zeit die Immunisierung – Sie bekommen dazu dreimal innerhalb eines Monats eine Spritze in den Oberarm. Sie kann auch als Therapie-Ergänzung parallel zur normalen Behandlung während der Akutphase begonnen werden und enthält abgetötete Keime 8 verschiedener Milchsäurebakterienstämme – und die sorgen dafür, dass sich im Scheidensekret genau diejenigen Antikörper wieder bilden, die die Krankheitserreger bekämpfen. Das Risiko für weitere Scheideninfektionen sinkt erheblich.

Nach einer Auffrischung nach einem Jahr hält der Schutz oft über mehrere Jahre an.

Kostbare Gesundheit.

Zahlreiche ärztliche Leistungen, die allgemein empfohlen werden, wie die Dauer-Therapie bei wiederkehrenden Scheideninfektionen, sind im Regelfall nicht im gesetzlich festgelegten Leistungskatalog der Krankenkassen enthalten. Sie können eine solche Therapie oder vorbeugende Anwendung trotzdem erhalten, indem Sie die entstehenden Kosten selbst tragen.

Die Arztleistung richtet sich nach der amtlichen Gebührenordnung (GOÄ).

Haben Sie Fragen zu diesem oder anderen Themen, können Sie gerne mein Praxisteam und mich darauf ansprechen.

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