PRAXISZEITUNG SEXUELL ÜBERTRAGBARE ERKRANKUNGEN

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Sexuell übertragbare Erkrankungen

Sexuell übertragbare Erkrankungen (=eng.: sexually transmitted diseases, STD) umfassen eine Reihe von Infektionskrankheiten, die vorwiegend durch (ungeschützten) Geschlechtsver-
kehr übertragen werden. Dazu gehören einmal die eigentlichen sog. Geschlechtskrankheiten wie Syphilis (Lues) und Gonorrhoe (Tripper), aber auch Infektionen mit Chlamydien und Mykoplasmen sowie Pilzinfektionen (Candida). Auch Viruserkrankungen können sexuell übertragen werden, am bekanntesten ist HIV, jedoch auch Hepatitis B und möglicherweise C.

Trotz zahlreicher Presseberichte nach WHO-Mitteilungen über das Ausmaß der Durchseuchung mit diesen Erkrankungen gerade in den Ländern der dritten Welt wird die Gefahr einer Ansteckung z.B. bei einer Urlaubsreise in diese Entwicklungsländer häufig unterschätzt.

Bei typischem Verlauf entspricht am ehesten die Lues dem Bild einer Geschlechtskrankheit:
Ca. 3 Wochen nach der Infektion Geschwürbildung (Primäraffekt) an der Eintrittspforte der Bakterien in den Körper, Wochen später nach Verbreitung der Erreger im Gesamtorganismus Allgemeinerkrankung, Hautausschläge aller Art, Befall einzelner Organe, ggf. Schädigung einer Schwangerschaft ( von Fehlgeburten bis zu typischen Krankheitsbildern der Kinder) und schließlich (ohne Behandlung) nach Jahren mögliche Erkrankungen des Nervensystems (Tabes, Paralyse).

Auch die Symptome der Gonorrhoe sind bei typischem Verlauf für den Laien verdächtig: vorwiegend bei Männern wenige Tage nach der Infektion eitriger Ausfluss sowie Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen ( bei Frauen häufig asymptomatischer Verlauf). Bei rechtzeitiger Behandlung erfolgt Heilung der Erkrankung, bevor diese in innere Organe aufsteigt und es zu einer Allgemeininfektion des Organismus mit Spätfolgen kommt.

Infektionen mit Chlamydien und Mykoplasmen verlaufen häufig symptomarm oder völlig unbemerkt. Sie führen zu Entzündungen im Bereich von Muttermund, Harnröhre und Enddarm (Zervizitis, Urethritis, Proktitis) sowie aufsteigend zu Entzündungen von Prostata und Nebenhoden beim Mann bzw. von Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcken bei der Frau. Häufig werden diese Infektionen erst entdeckt, wenn nach den Ursachen ungewollter Kinderlosigkeit gesucht wird. Es ist nicht zu entscheiden, ob Anzahl dieser Infektionen infolge der geänderten Einstellung zur Sexualität absolut zugenommen hat, oder ob vom Arzt öfter danach gesucht und die Infektion dank verbesserter diagnostischer Möglichkeiten entsprechend häufiger gefunden wird.

Pilzinfektionen (zumeist Candida) werden ebenfalls durch ungeschützten Verkehr übertragen. Andere Ansteckungsmöglichkeiten sind gegeben durch bereits bestehende Pilzinfektionen z.B. der Zehen oder des Darmes, die Infektion wird begünstigt durch Zuckerkrankheit, hormonelle Einflüsse oder Antibiotikatherapie. An den Geschlechtsorganen kommt es zu Juckreiz und Brennen bei weißlichen Belägen.

Eine Infektion mit Human Immunodeficiency Virus HIV führt bekanntlich zu einer allmählichen Zerstörung des zellulären Immunsystems und damit zum Zusammenbruch der körpereigenen Abwehr. Auch in der Anfangsphase treten keinerlei Symptome an der Eintritts- pforte der Erreger oder an den inneren Geschlechtsorganen auf. Wenn überhaupt, kommt es zu uncharakteristischen Krankheitsbildern, die wie ein grippaler Infekt mit Halsentzündung, Lymphknotenschwellungen, Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Durchfällen etc. verlaufen. Nach einer unterschiedlich langen Phase (Latenzzeit) kommt es dann neben allgemeinen Lymphknotenschwellungen, Fieberschüben und Gewichtsverlust zum Auftreten von sonst extrem seltenen oder besonders schwer verlaufenden Krankheitsbildern, die sich durch die Immunschwäche begünstigt entwickeln.

Bei der Hepatitis befallen die verursachenden Viren nicht das Immunsystem, sondern vorwiegend die Leber. Auch hier gibt es keine Krankheitszeichen an inneren oder äußeren Geschlechtsorganen. Die nach relativ langer Inkubationszeit auftretenden Symptome sind die einer uncharakteristischen Allgemeinerkrankung mit Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit, nicht immer kommt es zur Gelbfärbung von Augen und Haut.

Zusammenfassend sind die Symptome der sexuell übertragbaren Erkrankungen vielfältig und häufig uncharakteristisch. Manchmal verfälscht auch eine wegen einer anderen Erkrankung durchgeführte Antibiotika-Behandlung das Krankheitsbild. Eine Infektion kann also durchaus unbemerkt erfolgen, zumal Ansteckungsfähigkeit auch dann gegeben ist, wenn die Erkran- kung (noch) nicht voll ausgeprägt ist – d.h. der infektiöse Partner kann sich selbst für gesund halten.

Es kann also durchaus sinnvoll sein, mit Hilfe von speziellen Bluttests und/oder Abstrichen nach diesen Erkrankungen zu suchen.

Haben Sie Fragen zu diesem oder anderen Themen, können Sie gerne mein Praxisteam und mich darauf ansprechen.

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