PRAXISZEITUNG TOXOPLASMOSE

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Toxoplasmose – die unterschätzte Gefahr

Die Toxoplasmose ist ein häufiges Problemthema in der Schwangerenberatung.

Die Toxoplasmose gehört zu den sog. Anthropozoonosen, das sind Krankheiten, deren Erreger Mensch und Tier befallen können. Toxoplasma gondii ist kein Virus und auch kein Bakterium im eigentlichen Sinne, sondern ein sog. Protozoon, ein einzelliges Urtierchen, das als Parasit in verschiedenen Wirtsorganismen (Mensch, Säugetiere, Vögel) lebt. Im Wirts- gewebe bilden die Toxoplasmen dauerhafte Zysten, die massenhaft Einzelparasiten enthalten. Der Hauptwirt, die Katze, scheidet nach einer Infektion einige Wochen lang massenhaft Toxoplasma-Entwicklungsformen mit dem Kot aus. Diese werden nach einer dreitägigen Entwicklung infektiös und können im Staub oder Erdboden monatelang überdauern.

Die Infektion des Menschen erfolgt oral (durch den Mund), entweder durch Verzehr von rohem bzw. ungenügend erhitztem Fleisch eines befallenen Tieres, oder indem die Erreger z.B. bei Gartenarbeit auf die Hände und von diesen in den Mund gelangen.

Einmal im menschlichen Verdauungstrakt, gelangen die Toxoplasmen über Darmwandzellen in Lymph- und Blutgefäße und über diese in den gesamten Organismus (Generalisation). In diesem Stadium setzt die zelluläre und humorale Abwehr ein, es werden Antikörper gebildet. Diese bewirken, dass die Erreger sich nicht weiter ausbreiten und vermehren, die meisten werden abgetötet. Einige Toxoplasmen schaffen es, ihre Wirtszelle in eine Zyste umzuwan- deln, wo sie vor Antikörpern und Medikamenten geschützt überleben, durch ihre Anwesenheit wohl aber auch die Antikörperbildung anregen, so dass weitere Infektionen zuverlässig verhütet werden (Immunität).
Diese Vorgänge verlaufen in der Regel unbemerkt. Bei weniger als 50% der Infizierten kommt es zu geringfügigen und uncharakteristischen Beschwerden wie bei einem grippalen Infekt, nur wenige zeigen klinische Symptome.

Die Toxoplasmose ist also eine relativ häufige, aber gutartige Infektion.
Ihre Bedeutung liegt in der Möglichkeit der Infektion des ungeborenen Kindes.
Diese kann nur im Stadium der Generalisation erfolgen, also bei einer Erstinfektion der Frau in der Schwangerschaft.

Bei einer Erstinfektion in der Schwangerschaft erreichen die Erreger im Stadium der Genera- lisation auch die Plazenta und über diese den Feten. Ohne Behandlung der Mutter schätzt man das Infektionsrisiko für das ungeborene Kind im ersten Drittel der Schwangerschaft auf etwa 5-15 (-25)%, im zweiten Drittel der Schwangerschaft auf etwa 30- (54)% und im letzten Drittel der Schwangerschaft auf etwa 60 (-65)%. Dabei ist jedoch das Risiko einer kindlichen Schädigung umso größer, je früher die Infektion erfolgt.

In Mitteleuropa sind 30-60% der Frauen in gebärfähigem Alter seronegativ, d.h. sie haben keine Toxoplasma-Antikörper im Serum, sind also nicht gegen eine Toxoplasma-Infektion geschützt. Das Risiko einer Erstinfektion in der Schwangerschaft wird zwischen 0,5 und 1,5% angenommen. In Österreich und Frankreich sind deshalb Toxoplasmose-Vorsorgeuntersu- chungen seit Jahren obligatorisch.

Vor geplanter Schwangerschaft sollte ein Toxoplasmose-Test durchgeführt werden.

Ein positiver Antikörpertest schließt eine Erstinfektion während einer späteren Schwangerschaft praktisch aus.

Wird erst während der Schwangerschaft ein positiver Antikörperbefund festge- stellt, muss anhand von Spezialuntersuchungen geklärt werden, ob eine frische (d.h. für das erwartete Kind möglicherweise gefährliche und damit behandlungs- bedürftige) oder eine alte (latente) Toxoplasmoseinfektion vorliegt.
Schwangere ohne Antikörper sollten zur Vermeidung einer Infektion bestimmte hygienische Vorsichtsmaßnahmen (s.o. Infektion) beachten.
Eine Schutzimpfung gibt es nicht.

Ein negativer Antikörpertest sollte in der Schwangerschaft in bestimmten Abständen kontrolliert werden, damit im Fall einer Serokonversion (= Testumschlag von negativ zu positiv als Beweis für eine frische Erstinfektion) rechtzeitig gezielt behandelt werden kann.

Haben Sie Fragen zu diesem oder anderen Themen, können Sie gerne mein Praxisteam und mich darauf ansprechen.

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